Trump-Zölle und die globalen Märkte:
Worauf Trader im Jahr 2026 achten sollten

Trump-Zölle und die globalen Märkte: Worauf Trader im Jahr 2026 achten sollten

Seit Präsident Donald Trump im Januar 2025 wieder ins Amt zurückgekehrt ist, hat die Handelspolitik der Vereinigten Staaten (USA) einen beispiellosen Wandel durchlaufen. Was mit Zöllen auf Kanada, Mexiko und China begann, hat sich zu einem umfassenden System entwickelt, das Dutzende von Ländern, ganze Industriezweige und in einigen Fällen sogar geopolitische Druckmittel umfasst. Für Investoren und Trader sind die daraus resultierenden Handelsspannungen längst kein entferntes Risiko mehr – sie bilden heute das Umfeld, in dem sich die Finanzmärkte bewegen.

Die aktuelle Lage ist komplex. Der weltweite Zollsatz von 10 %, der im Rahmen von Section 122 des Trade Act von 1974 eingeführt wurde, läuft am 24. Juli 2026 aus. Was danach folgt, könnte ebenso weitreichend oder sogar noch aggressiver sein. Trump hat bereits deutlich gemacht, dass er in diesem Sommer neue Zollrunden einführen möchte. Die globalen Märkte beginnen bereits, dieses Szenario einzupreisen.

Wie das heutige Zollsystem entstanden ist

Was Trumps Zollpolitik im Jahr 2026 von früheren Maßnahmen unterscheidet, ist ihr geopolitischer Umfang. Zölle dienen längst nicht mehr ausschließlich dem Schutz der heimischen Industrie. Sie werden zunehmend als diplomatisches Druckmittel eingesetzt.

Im Januar 2026 kündigte Trump einen Zoll von 25 % auf alle Länder an, die Handel mit dem Iran betreiben. Im Februar erhöhte die US-Regierung den weltweiten Basiszollsatz mit sofortiger Wirkung von 10 % auf 15 %. Im April wurden Zölle gegen Deutschland und Frankreich im Zusammenhang mit dem Streit um Grönland vorgeschlagen. Jede dieser Ankündigungen führte zu deutlichen Kursschwankungen an den asiatischen und europäischen Börsen sowie bei den Futures an der Wall Street.

Der Handelskonflikt ist längst kein bilateraler Streit zwischen den größten Wirtschaftsmächten mehr. Er hat sich zu einem vielschichtigen Instrument entwickelt, mit dem die US-Handelspolitik wirtschaftliche Sanktionen gegen Länder verhängen kann, deren geopolitische Positionen den Interessen des Weißen Hauses widersprechen. Für die globalen Märkte bedeutet dies, dass nahezu jede außenpolitische Schlagzeile das Potenzial besitzt, die Preise an den Finanzmärkten zu bewegen.

Ein Wert verdeutlicht das Ausmaß dieses Wandels besonders eindrucksvoll: Laut dem Budget Lab der Yale University erhöhten die Trump-Zölle den durchschnittlichen US-Einfuhrzoll im Jahr 2025 auf 16,8 % – den höchsten Stand seit 1935. Diese historische Entwicklung beschäftigt die Märkte bis heute.

Forex: Der US-Dollar zwischen zwei gegensätzlichen Kräften

Die Auswirkungen von Zöllen auf den Devisenmarkt folgen keiner einfachen Logik. Theoretisch sollten Zölle den US-Dollar stärken. Indem sie Importe verteuern und das Handelsdefizit verringern, reduzieren sie den Abfluss von US-Dollar ins Ausland. Genau dieser Effekt war zeitweise auch zu beobachten.

Die Prognose für den US-Dollar im Jahr 2026 erwies sich jedoch als deutlich komplexer. Nachdem der Oberste Gerichtshof im Februar die auf dem IEEPA basierenden Zölle aufgehoben hatte, fiel der US-Dollar-Index (DXY) innerhalb einer einzigen Handelssitzung auf 97,51 Punkte. Die Unsicherheit über die US-Handelspolitik belastet das Vertrauen in den Dollar inzwischen nahezu ebenso stark, wie die Einführung neuer Zölle ihn stützt.

Zu den empfindlichsten Währungspaaren in diesem Umfeld gehören:

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    EUR/USD, das bei jeder Zollankündigung gegenüber Europa deutliche Ausschläge zeigt.

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    USD/JPY, das steigt, wenn die Renditen von US-Staatsanleihen aufgrund höherer Inflationserwartungen zulegen.

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    AUD/USD, das aufgrund der engen Handelsbeziehungen Australiens zu China – einem der am stärksten von den US-Zöllen betroffenen Länder – besonders sensibel reagiert.

Die größte Herausforderung für Forex-Trader besteht darin, dass Zölle einerseits importierte Inflation verursachen, wodurch die Zinsen länger hoch bleiben und der US-Dollar gestützt wird. Andererseits bremsen sie das Wirtschaftswachstum und üben dadurch Abwärtsdruck auf den Dollar aus. Entscheidend ist daher, welche dieser beiden Kräfte sich in einer bestimmten Marktphase durchsetzt.

Goldpreis-Ausblick 2026: Zölle und sichere Häfen

Von den wichtigsten Rohstoffen hat Gold am deutlichsten auf das Umfeld zunehmender Handelsunsicherheit reagiert. Jede neue Ankündigung von Trump-Zöllen führte dazu, dass Anleger verstärkt in sichere Anlageklassen investierten – und Gold profitierte davon kontinuierlich. Bereits 2025 erreichte der Goldpreis historische Höchststände und blieb auch im Jahr 2026 auf einem erhöhten Niveau.

Goldman Sachs nennt die strukturell steigende Nachfrage der Zentralbanken als einen der wichtigsten Faktoren für den Goldpreis. Der World Gold Council berichtete, dass Zentralbanken im Quartal nach Trumps Wahlsieg im November 2024 mehr als 333 Tonnen Gold kauften – ein Anstieg von 54 % gegenüber dem Vorjahr. Die Botschaft ist eindeutig: In einer Welt, in der Zölle und Handelsspannungen globale Risiken neu verteilen, dient Gold als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Unsicherheit.

Ölpreise: Ein gemischteres Bild

Die Entwicklung des Ölpreises war schwieriger einzuschätzen. Die Androhung von 500-prozentigen Zöllen auf Länder, die russisches Rohöl importieren, führte zeitweise zu deutlichen Preissprüngen. Gleichzeitig geht Goldman Sachs davon aus, dass der globale Ölmarkt im Jahr 2026 weiterhin ein Überangebot aufweisen wird. Für das vierte Quartal wird – sofern es zu keinen größeren Lieferunterbrechungen im Zusammenhang mit dem Iran kommt – ein Brent-Preis von rund 60 US-Dollar pro Barrel erwartet.

Das größte Risiko für die zweite Jahreshälfte 2026 ist die Kombination aus neuen Zollrunden und einer möglichen Eskalation in der Straße von Hormus. Dieses Zusammenspiel könnte die Ölpreise schnell und deutlich steigen lassen – mit weitreichenden Folgen für die weltweite Inflation sowie die Entscheidungen der Zentralbanken.

Zentralbanken: Zwischen Inflation und Wachstum

Für Zentralbanken stellen Trumps Zölle ein äußerst schwieriges Dilemma dar. Zölle wirken grundsätzlich inflationstreibend, da sie die Kosten importierter Waren erhöhen und die Produktionskosten steigen lassen. Gleichzeitig bremsen sie den Welthandel und verlangsamen das Wirtschaftswachstum. Diese beiden Effekte ziehen die Geldpolitik in entgegengesetzte Richtungen.

Die US-Notenbank (Federal Reserve) steht dabei vor der größten Herausforderung. Die Inflation in den Vereinigten Staaten liegt weiterhin über dem Zielwert von 2 %, wodurch Zinssenkungen kurzfristig nur schwer zu rechtfertigen sind. Nach Schätzungen von Goldman Sachs trugen US-Verbraucher und Unternehmen im Oktober 2025 rund 82 % der Zollkosten. Bis Juli 2026 sollen 67 % der gesamten Belastung auf die Verbraucher entfallen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor einer anderen Herausforderung. Sollten sich die Zölle auf europäische Waren dauerhaft etablieren, würde das Wirtschaftswachstum der Eurozone stärker leiden als die Inflation. Dadurch hätte die EZB Spielraum für weitere Zinssenkungen. Dies könnte den Zinsunterschied zur Fed vergrößern und zusätzlichen Druck auf das Währungspaar EUR/USD ausüben.

Auch Zentralbanken in Schwellenländern geraten zunehmend unter Druck. Länder wie Indien, Brasilien und die Türkei, die direkt oder indirekt von der US-Zollpolitik betroffen sind, sehen sich Kapitalabflüssen und Währungsdruck ausgesetzt, wodurch ihr geldpolitischer Handlungsspielraum eingeschränkt wird.

Volatilität an den Aktienmärkten: Widerstandsfähigkeit trotz latenter Risiken

Trotz der anhaltenden Unsicherheit haben sich die Aktienmärkte bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Der S&P 500 legte im bisherigen Jahresverlauf 2026 um 9 % zu. Seit Trumps Wahlsieg im November 2024 erzielte der Index sogar eine Gesamtrendite von nahezu 30 %. Die Unternehmensgewinne des ersten Quartals 2026 übertrafen die Markterwartungen, was vor allem auf Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz zurückzuführen war.

Dennoch bleibt die Volatilität an den Aktienmärkten hoch. Jede neue Zollankündigung, jedes Gerichtsurteil zur Rechtmäßigkeit dieser Maßnahmen und jede Reaktion betroffener Volkswirtschaften führt zu deutlichen kurzfristigen Kursbewegungen. So verlor der Euro STOXX 50 innerhalb einer einzigen Handelssitzung 3 %, nachdem Trump Zölle von 50 % auf europäische Waren vorgeschlagen hatte. Gleichzeitig gab der S&P 500 um mehr als 1,6 % nach.

Laut Konsens der Wall Street könnte der S&P 500 bis Ende 2026 auf rund 7.850 Punkte steigen – was einem Aufwärtspotenzial von etwa 5 % gegenüber dem aktuellen Niveau entspricht. Dieses Basisszenario setzt jedoch voraus, dass die im Sommer angekündigten neuen Zölle die Erwartungen der Märkte nicht übertreffen und die Inflation die Fed nicht zu einer noch restriktiveren Geldpolitik zwingt. Sollte einer dieser Faktoren stärker ausfallen als erwartet, könnte die Volatilität an den Aktienmärkten deutlich zunehmen.

Besonders anfällig für Zollrisiken sind die Branchen Industrie, Automobil, Unterhaltungselektronik sowie Einzelhändler mit globalen Lieferketten. Dagegen zeigten sich die Bereiche Verteidigung, heimische Energieversorgung und Finanzdienstleistungen in diesem Umfeld vergleichsweise widerstandsfähig.

Risikostimmung: Zwischen Anpassung und Vorsicht

Die Risikostimmung an den globalen Märkten hat sich von der anfänglichen Panik nach den ersten Zollankündigungen hin zu einer eher pragmatischen Anpassung entwickelt. Investoren haben die Handelsunsicherheit als dauerhaftes Merkmal des Marktumfelds eingepreist – nicht mehr als vorübergehenden Schock.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Risiko verschwunden ist. Es bedeutet vielmehr, dass die Märkte gelernt haben, damit umzugehen. Bei jeder neuen Eskalation der Zollpolitik zeigt sich ein ähnliches Muster: Der US-Dollar bewegt sich abhängig von den Erwartungen hinsichtlich Inflation und Wachstum, Gold steigt als sicherer Hafen, Öl reagiert auf den Druck auf betroffene Förderländer, und Aktien von Unternehmen, die stark von Importen oder Exporten abhängig sind, geraten unter Verkaufsdruck.

Das unmittelbarste Ereignis, das diese Stimmung deutlich verändern könnte, ist das Auslaufen des globalen 10%-Zolls am 24. Juli 2026. Unabhängig davon, was die Trump-Regierung als Ersatz ankündigt – neue sektorspezifische Zölle, länderspezifische Abgaben oder eine Kombination aus beidem – wird dies die Marktentwicklung in der gesamten zweiten Jahreshälfte prägen.

Für Trader ist es entscheidend, vor den Nachrichten positioniert zu sein, anstatt erst danach zu reagieren. Schlagzeilen zur US-Handelspolitik können die Märkte innerhalb von Sekunden bewegen. Ein klares Verständnis darüber, welche Vermögenswerte auf welche Arten von Ankündigungen reagieren, ist heute ein ebenso wichtiger Wettbewerbsvorteil wie jede technische Analyse.

Worauf Trader achten sollten

Kurzfristig sind dies die wichtigsten Ereignisse und Faktoren, die die Märkte im Zusammenhang mit Trumps Zollpolitik am stärksten bewegen könnten:

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    24. Juli 2026 – Auslaufen des globalen 10%-Zolls gemäß Section 122. Was diesen Zoll ersetzen wird, dürfte das wichtigste Zollereignis der zweiten Jahreshälfte sein.

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    US-Inflationsdaten (CPI/PCE). Sie bestimmen den Handlungsspielraum der Fed und die Richtung des US-Dollars. Jede überraschend höhere Inflation verstärkt das Szenario „höhere Zinsen für längere Zeit“.

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    Handelsverhandlungen zwischen den USA und der EU. Europäische Waren unterliegen derzeit im Rahmen der bestehenden Vereinbarung einem Zollsatz von 15 %. Ein Scheitern dieser Vereinbarung könnte zu erhöhter Volatilität bei EUR/USD führen.

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    Nachrichten zu Iran und der Straße von Hormus. Diese Entwicklungen stehen in direktem Zusammenhang mit den Ölpreisen und der globalen Risikostimmung.

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    Dollar Index (DXY) und XAU/USD. Diese beiden Märkte sind die unmittelbarsten Indikatoren dafür, wie Investoren neue Entwicklungen in der Zollpolitik bewerten.

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    FOMC- und EZB-Sitzungen. Der Zinsunterschied zwischen beiden Zentralbanken wird auch in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 einer der wichtigsten Treiber für EUR/USD bleiben.

Fazit

Trumps Zölle sind kein einmaliges Ereignis. Sie sind Teil einer neuen Struktur des globalen Handels, und die Finanzmärkte bewegen sich bereits innerhalb dieser Realität. Der Devisenmarkt, Rohstoffe wie Gold und Öl, Zentralbanken und Aktienmärkte reagieren alle – mit unterschiedlicher Intensität und nach unterschiedlichen Mechanismen – auf dieselbe grundlegende Kraft: die Unsicherheit über die US-Handelspolitik.

Für Trader bedeutet das, dass die Fähigkeit, handelspolitische Schlagzeilen zu verstehen und schnell in mögliche Marktauswirkungen zu übersetzen, zu einer grundlegenden Kompetenz geworden ist. Es geht nicht darum, vorherzusagen, was Trump als Nächstes tun wird. Entscheidend ist, zu verstehen, welche Vermögenswerte auf welche Art von Ankündigung reagieren – und entsprechend vor der Marktbewegung positioniert zu sein.

Trump-Zölle und die globalen Märkte: Worauf Trader im Jahr 2026 achten sollten

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